Einführung in die Psychologie des Lärmens / Teil 1

Stellen Sie sich mal vor, Sie sind Motorradfahrer und ihr altes Ding (eine 25 Jahre alte BMW R80 GS) hat sich einen Motorschaden eingefahren. Reparaturkosten nahe an wirtschaftlichem Totalschaden. Die R80 GS ist ein Touren-Motorrad – eines der beliebtesten, das der bayerische Hersteller jemals gebaut hat. Ohne Auspuffklappen, mit Originalauspuff und ohne „Tuningmaßnahmen“ ist sie nur etwas lauter als ein Pkw oder die früheren Polizeimotorräder aus München. Eigentlich ein schönes Motorrad, nur eben kaputt.

Sieht leiser aus als sie ist: BMW RnineT

Sieht leiser aus als sie ist: BMW RnineT. Quelle: Wikipedia

Der Gang zum BMW-Händler gipfelt in einer Probefahrt mit der BMW RnineT. Dieses Retro-Motorrad sieht einem klassischen Motorrad ähnlich und ist deshalb so erfolgreich am Markt. Sie hat mehr als doppelt so viel PS wie die R80 GS, das ist der erste Eindruck. Sie hat natürlich auch bessere Bremsen und sie fährt sich sehr schön – bis auf ein entscheidendes Detail. Sie ist unverschämt laut – wg. Klappen. BMW, früher Hersteller müstergültig leiser Zweiräder, hat ganze Lärm-Arbeit geleistet. Der freundliche Händler: „Guter Sound, wa?“ Der potenzielle Kunde: „Gibt’s das denn auch leiser?“ Der Mann mit der Krawatte (BMW Händler sind immer besser angezogen als ihre Kunden) wird sich diesen Tag rot im Kalender anstreichen: „Da kam so ein Idiot, der wollte das Motorrad leiser haben…“

So präsnetiert das der BMW Händler: Die RnineT mit abgenommenem Auspuff, damt auch der Letzte kapiert, dass dieses Ding "legal" Lärm macht.

So präsentiert das der BMW Händler: Die RnineT mit abgenommenem Auspuff, gut sichtbar die Auspuffklappe, damit auch der Letzte kapiert, dass dieses Ding „legal“ Lärm macht.

Stellt man die gleiche Frage im Internet (weil sich die Nachbarn beschweren, oder man sich darauf wie ein Proll vorkommt oder weil man ganz egoistisch gesundheitliche Folgen wie einen Tinnitus fürchtet) ist die Reaktion noch eindeutiger als beim BMW Kundenbetreuer (hohe Toleranzschwelle, so lange Idioten Geld bei ihm ausgeben).

Also es gibt tatsächlich einzelne Motorradfahrer, die es nicht so haben mit dem Belästigen. Und es gibt eine Menge, die diese Erstgenannten wirklich für komplette Idioten halten. Einen Ausflug in die Kreise der Freunde der RnineT – Auszüge aus dem BMW Forum zum entsprechenden Modell (seit 2014):

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Schalldämpfer – wie leiser machen ?

Guten Tag,

ja ich weiss, alle schreiben nur darüber wie der Sound noch lauter gemacht werden kann….

ABER, ich bin mal jetzt die Ausnahme und hätte es gerne ein wenig diskreter, sprich leiser.
Im Standgas ist der Sound absolute Spitzenklasse aber beim beschleunigen ist mir das Ding zu laut.

Frage: kann ich den Endschalldämpfer von der R1200R an meine NineT schrauben ?
die Halterung muss ich anpassen. Gibt es sonst technische Limitationen ?

 

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Die erste Antwort (Nick Ratingser) sagt alles:
Ich hab gerade mehrfach nachgeschaut, aber in meinem Kalender ist der 1. April seit 28 Tagen vorbei. Du willst echt den dicken, hässlichen Topf der R daran schrauben?  Wenn es nur dir persönlich zu laut ist: Nimm doch einfach ein paar Gehörschützer (nicht ironisch gemeint).

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„Leis ist Scheiß…

… Jetzt weiß ich warum ich 20 Jahre Italiener gefahren bin (es folgt eine Aufzählung von pupertierenden Zubehörauspuffen) … und mir BMW für Ü-50 vorgenommen habe. Aber dann kam die R90T mit diesem super Seriensound!!! Ihr wollt das Moped doch nicht leiser machen :wand ? Wenn das ein Politiker liest (Öl ins Feuer), dann gibts morgen ein Volksbegehren in der Bildzeitung. Ich seh schon die Überschrift: „Selbst den kindermordenden bösen BMW-Rockern sind die deutschen Lärmschutzrichtlinien zu lasch!“  Als Beilage in der BAMS sind Bumpersticker „Laut ist Out.“
Ist es zu Laut, bist Du zu alt !!! :kruecken

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Der Anfrager im Forum wird prompt für einen Troll gehalten, denn normale Motorradfahrer kennen kein „zu laut“. Im Anschluss folgen acht Seiten Gülle und Zynismus.

Und hier das Statement eines Administrators:

Bei einer normalen Anfrage sollte man eine normale Auskunft erwarten können. Hierbei sollte man aber auch bei heiklen Themen, nicht alles geschriebene auf die Goldwaage legen.. :pfeifen
BMW hat sich mit der nineT weit von dem entfernt was lange Zeit zu den BMW – Tugenden gehörte. Dazu zähle ich auch den satten Sound. Wie käme die nineT daher, wenn sie sich anhören würde wie ein Sack Meerschweinchen :ablachen
Deine Methode mit den Ohrenstöpseln ist eine Möglichkeit den Sound von seinem Gehör fern zuhalten…

In der Folge gibt er Tipps, wie sich mit Zubehörauspuffen anderer Hersteller (die üblicherweise lauter sind als die Originale) möglicherweise etwas Lautstärke gedämmt werden kann…

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Fazit:

Das Lärmen scheint mittlerweile auch bei den Tourenmotorrädern zu den obersten Geboten zu gehören.  Pssst! Nicht zu laut drüber reden, sonst bekommt noch ein Politiker mit, was hier läuft. Die BMW RnineT ist für Motorradfahrer, die andere Menschen nicht belästigen wollen, unkauf- und unfahrbar. Die Zielgruppe stört das natürlich nicht – ganz im Gegenteil – und BMW macht jetzt ein Bombengeschäft auch U50. Natürlich alles ganz legal – der Markt (Anm. der Red: der Belästiger) wünscht das halt so (offizielle Begründung BMW Pressestelle). Übrigens: Wegen der Homologation vor 2016 gelten für dieses Modell bis zum Sankt Nimmerleinstag die alten Zulassungs-Regeln. Zynismus an:  Nicht schlimm, die neuen Zulassungsregeln bringen ja schließlich keine Verbesserung. Höchstens in puncto mehr Lärm…

Und noch ein Zitat zur RnineT (Lärm ist cool):

„Erinnert eher an Harley oder Triumph denn an BMW. Aber genau das will man ja erreichen. Weg vom schnöden Gore-Tex-Ritter mit Klapphelm hin zum coolen Biker.“

Matthias Hirsch: Bikerszene.de
Veröffentlicht in Allgemein, BMW Motorrad, Hotspots, VAGM
20 Kommentare zu “Einführung in die Psychologie des Lärmens / Teil 1
  1. Marcus sagt:

    Und genau DAS ist was ich schon vor einiger Zeit versuchte klar zu machen. Es ist wie bei mir. Dir gefällt ein Motorrad und Du musst es so kaufen wie es im Laden steht. Es gibt Auspuffanlagen im Zubehör welche “ lauter “ sind,- obwohl ein anderer Sound nicht unbedingt lauter sein muss,- gemessen zumindest denn laut Empfindung kann es anders sein. Warum gibt es bei all dem Zubehör nicht auch Anlagen die leiser sind,- oder sogar aus dem Hauseigenen Zubehörkatalog ??? Es gibt allen möglichen Snickschnack für ein BMW Moped. Und es wundert mich dass nicht reagiert wird denn es stimmt einfach nicht dass die meisten Mopedfahrer es laut haben wollen,- wie kommen die darauf. Guter Sound ist ja OK, aber es ist nicht zeitgemäß dass man Mopeds lauter macht,- Autos werden immer leiser……Und wie oben beschrieben ( aus dem Forum ) darf man noch nicht mal einfach den Topf einer anderen Maschine montieren wenn man es leiser mag. Denn das ist ebenso eine Manipulation der Auspuffanlage und die ABE erlischt. Und DASist in meinen Augen ein Unding,- Leute welche es lauter haben wollen die bekommen was sie wollen,- Leute welche es leiser haben wollen haben Pech….Aber das ist wie bei Dieselautos,- muss man kaufen wie es im Laden steht, mit Schummelsoftware und der Gewissheit dass man mit seinem Feinstaub anderer Menschen Gesundheit schädigt,- oder man kauft Benziner.

  2. Daniel Kaufmann sagt:

    Warum dieses Motorrad mit einer R80 GS verglichen wird ist mir schleierhaft. Die R80 GS war eine Reiseenduro.
    Die R nineT ist ein Cafe Racer.
    Aber seit neustem sind Cafe Racer natürlich auch Tourenmotorräder.
    Kennt man ja von Sportwagen. Der Porsche 911 wirbt mit: Familienauto für den Alltag :)
    Gab wohl keine echten zu lauten Tourenmotorräder über die man meckern könnte?

    • Der Redakteur sagt:

      Dann wollen wir Ihren Schleier doch einfach mal lüften: Es gibt auch BMW Tourenmotorräder mit dem gleichen Problem. Bei den aktuellen GS-Modellen kommen auch Auspuffklappen zum Einsatz. siehe hier. Zitat von Ninjalover zum BMW Tourer:
      „Ich hatte auch schon die Befürchtung das es einigen Gs Fahrern nicht passt… Aber sind wir doch mal ehrlich, jedem Recht machen kann man es doch nicht oder? Außerdem denke ich das die Mehrzahl der Leute den „neuen“ Sound gut finden… Müssen sich hald diesmal die Leute die einen leiseren Sound haben wollen einen Zubehörtopf kaufen und nicht wie sonst immer umgekehrt….
      Spaß beiseite, ich denke das es vll. in absehbarer Zeit von BMW einen Lösung geben wird… Also ich bin voll und ganz zufrieden mit dem Sound meiner TÜ.. Vorerst zumindest…“

  3. Andreas sagt:

    Als Soundfan der aber vernüftig fährt finde ich den Artikel leider traurig. Das 99% mehr Sound wollen okay aber die Hersteller könnten sich doch denken das es auch ein paar in die andere Richtung wollen. Aber anscheinend „lohnt“ es sich für die nicht was zur Verfügung zu stellen auch wenn sie Haufen anderes Zeug anbieten.

    Wenn man es leiser will hat man echt schlechte Karten. Hätte ich nicht gedacht.

    • Der Redakteur sagt:

      Bei BMW erübrigt sich die Frage nach Henne und Ei. Die waren früher leise – aber der Markt will’s laut. Blödsinnige Norm.

  4. Heinz Dobler sagt:

    Es gibt Studien zu Lärm und es gibt ein Grundrecht, nämlich ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die cartesianische Trennung von Körper und Geist ist längst überwunden und so denke ich werde ich mit meiner Klage gegen den Lärmterror an dem Hotspot, an dem ich wohne, wenn es sein muss, bis zur Verfassungsbeschwerde durchboxen. Ich fühle mich extrem gestresst und kann den Lärm nicht länger ertragen. Ich bin auf Lebenszeit verbeamtet und störe mich nicht einmal an den Zügen, die unweit von meinem Haus vorbeifahren. Wenn es so weiter geht, dürfen die Motorradfahrer (und leider auch alle anderen) meine Pension als Frührentner wegen Burnout zahlen.

    Ich hoffe, die Bundesregierung sieht schnell ein, dass zumindest alle Hotspots bald entschärft werden müssen. Gestaffelte Tempolimits an Ortsausgängen und ein Überholverbot an manchen Strecken wären ein erster Schritt. Man kann den pubertierenden Käufern ihr Eigentum ja nicht wegnehmen. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Andererseits können diese Fahrer mir mein Eigentum doch auch nicht einfach so wegnehmen. Mein Haus hat massiv an Wert verloren und nein, ich habe es nicht billig vor ein paar Jahren gekauft – es steht schon seit fast 200 Jahren am selben Fleck! Vernünftig wäre, die Steuern zu erhöhen (für Lärmsanierung), Hotspots gezielt zu entschärfen, bei der Lärmkartierung die Schallemission von Motorräder besonders zu berücksichtigen und so schnell wie möglich, Motorräder mit extremen Lärmspitzen nicht mehr zuzulassen. Widerlich diese Kumpanei mit der Wirtschaft zuungunsten der Bürger! Widerlich alle Politiker, die so gewissenlos sind und den Weg geebnet haben. Widerlich alle Menschen, die ihren eigenen Lärm nur mit Ohrenstöpseln ertragen und meinen sie könnten mit Bierbauch und ner Lederjacke cool sein. Je lauter, desto offensichtlich dümmer und charakterloser! Macht doch mal lieber ein bisschen Sport, dann schwabbelt es auch nicht so auf Euren Krads.

  5. Frank sagt:

    Hallo Herr Dobler,
    Sie sprechen mir aus der Seele! Ich frage mich schon lange, wieso die Politik auf Kosten der betroffenen Anwohner die Hersteller und Nutzer von den Lärmkarren schützt.

    Wissen die Politiker nicht, dass 13 Millionen Wähler im Land direkt an einer Hauptstraße wohnen? Irgendwann wird es vielen davon zu bunt – und das sind dann die politikverdrossenen Protestwähler!

  6. Marcus sagt:

    Es muss NICHT laut sein um Spaß zu haben !!! Und guter Sound muss auch nicht unbedingt laut sein. Aber so haben verschiedene Gruppen mit Belästigung zu kämpfen. Hier mal was Nettes damit die Vergiftung mit Feinstaub mal angegangen wird..
    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/vw-abgasskandal-leverkusener-lungenarzt-stellt-strafanzeige-aid-1.6154788

  7. Frank sagt:

    Gerade wurde der „tolle Sound“ der neuen Scrambler-Variante der R nineT in „DIE WELT“ und zuvor in der „Süddeutschen Zeitung“ abgefeiert:

    DIE WELT
    ————————————————-
    Titel: „Die wunderbare Kraftmeierei des bulligen Boxermotors“

    Zitat: „Wer dieses Motorrad fährt, braucht keine Stoppuhr, aber ein euphorisches Empfinden dafür, wie der kernige Klang der edlen serienmäßigen Akropovic-Auspuffanlage beglücken kann…“

    Autor: Thomas Delekat
    ————————————————-

    SZ
    ————————————————-
    Titel: „BMW bringt das richtige Motorrad zur richtigen Zeit“

    Zitat: „Die R nineT Scrambler ist puristisch, bequem und hat einen kernigen Klang. Beste Voraussetzungen, um ein Erfolgsmodell zu werden.“

    und „Die höher verlegte Auspuffanlage mit den zwei übereinander angeordneten Akrapovic-Endschalldämpfern ist nicht nur optisch ein Gedicht, sie erzeugt auch einen kernigen, aber nie aufdringlichen Sound.“

    (Nicht aufdringlicher Sound? Dass ich nicht lache!)

    Autor: Peter Fahrenholz
    ————————————————-

    Ganz toll. Anstatt dass Journalisten den Lärmskandal der Hersteller (http://www.motorradlaerm.de/schweizer-fernsehen-deckt-manipulationen-auf) endlich aufdecken und damit Druck auf die Politik aufbauen, denken diese Herren genau wie die Konzerne nur an ihren eigenen Profit. Ich werde mich bei Herrn Delekat und Herrn Fahrenholz persönlich bedanken und höflich nachfragen, ob die beiden Herrschaften sich auch privat an den bei uns neuerdings zusätzlich erforderlichen Schallschutzmaßnahmen finanziell beteiligen möchten. Ich finde, wer Geld von den Konzernen nimmt, um den Lärm zu promoten, der sollte sich nicht zu schade sein, den Leidtragenden dieses Trends – den man selbst mit angefacht hat – einfach etwas abzugeben!

    Na, wie wär’s Herr Delekat und Herr Fahrenholz – oder sehen Sie die Gesundheit der betroffenen Anlieger von Hauptstraßen (In Deutschland immerhin 13 Millionen Menschen) einfach als verschmerzbaren Kollateralschaden an???

    • Andreas sagt:

      Problem ist das es wohl leider keinen Interessiert. Bei der VW Abgassache war der Aufschrei groß hier nicht obwohl es auch meiner Meinung eindeutig Beschiss ist. Wenn also von den Redakteuren etc keine Unterstützung zu erwarten ist sollten die 13 Millionen mal Gehör verschaffen. Würden nur 10% auf die Straße gehen wäre das auf allen Sendern aber so wird es totgeschwiegen.

  8. Frank sagt:

    Ergänzung:
    Der Herr Adriano Sack möchte gerne mit den Kollegen mithalten. „DIE WELT“ titelt in Ihrer Online-Ausgabe: „Dieser Porsche bringt jeden Fahrer zum Grinsen“. Es geht um den neuen 718. Selbstverständlich mit Klappenauspuff.

    Zitate:
    „…Es ist praktisch unmöglich, diesen Wagen ohne ein Grinsen zu fahren. Die bei der Autobeschreibung beliebten Tierverben wie „röhren“, „brüllen“ oder „fauchen“ scheinen hier ungenügend.
    Ein röhrender Hirsch steht auf einer Lichtung herum, ein Tiger faucht seinen Gegner an. Das Porschegefühl aber ist viel abstrakter und maschineller. Die Kraftentfaltung beim Gasgeben ist ein erotischer Schock, nur vergleichbar mit dem seriellen Rückstoß beim Abfeuern einer Maschinenpistole.“

    und

    „Was jedoch nicht so recht einleuchtet, ist der Knopf für den optimalen Motorsound. Vielleicht können das nur Porscheprofis hören, dem Laien erscheint es mit oder ohne Knopf als das gleiche, herrliche Tosen.“

    Lieber Herr Sack und liebe „WELT“-Redaktion, ich möchte mich gerne bei Ihnen herzlich dafür bedanken, dass Sie auch diesen Krawallwagen so schön abfeiern! Vielen Dank, dass überhaupt alle Krawallfahrzeuge bei Ihnen so wunderbar abgefeiert werden. So werden Begehrlichkeiten geweckt. Bei einer Klientel der egomanischen Selbstdarsteller und sonstiger Proleten. Die Industrie verdient gut – und Sie verdienen doch sicher schön mit! Das Ergebnis höre ich jeden Tag bei mir zu Hause…

    Vielen Dank an alle, die Ihr dafür verantwortlich seid, dass ich jetzt mein Haus mit zusätzlichem passiven Lärmschutz ausstatten muss. Weil neuerdings alle zwei Minuten die Lampe über dem Esstisch wackelt. Vielen Dank dafür, dass es Helden der Strasse gibt, die den Drehzahlbereich Ihres „Rennwagens“ oder „Superbikes“ bis in den roten Bereich testen, weil ich so erkennen kann, ab welchem Schalldruck die Scheiben anfangen zu klirren!

    Endlich weiß ich jetzt, warum ich als Privatmann 30.000 Euro in die Hand nehmen muss. Damit andere Privatleute ihrem schönen Hobby frönen können. Und damit alle Beteiligten einschließlich Journalisten wie Sie gutes Geld verdienen.

    Ach, ach, die Welt ist schön. Es lebe die Freiheit!

    IRONIE AUS.

    Übrigens kann man sich bei den Redaktionen für dieses „Pushen“ von Klappenauspuffanlagen und Krawallfahrzeugen beschweren…Die E-Mail-Adresse gibt es fast immer im Impressum der Website. Und die E-Mail-Adresse der Autoren ist oft ebenfalls auf der jeweiligen Website zu finden („Kontakt“). Wenn nicht, hilft sicher Tante Google.

  9. Frank sagt:

    Offenbar hat „DIE WELT“ richtig Nachholbedarf und möchte so um die Gunst der Autokonzerne buhlen. Und wieder einmal ist es ein BMW, der hier tüchtig für seinen Krach abgefeiert wird:

    Titel: „BMW M4 GTS – In diesem Wagen ist man ständig atemlos“

    Zitat:
    „Sobald der Motor sein wütendes Brüllen, Röhren und Rotzen durch den vierflutigen Titanauspuff jagt, kribbelt das Trommelfell. Und wenn sich mit dem ersten Gasstoß die Doppelkupplung schließt, zuckt es sofort im rechten Fuß. So und nicht anders muss sich ein Sportwagen anfühlen.“

    und

    „Wir sind an die Grenzen dessen gegangen, was uns die Straßenverkehrsordnung erlaubt“, sagt Frank van Meel, Chef der BMW M GmbH, mit Blick auf den riesigen Heckspoiler, die weit ausgestellten Kotflügel, den dröhnend lauten Titanauspuff und vor allem den rasiermesserscharfen Frontsplitter, mit dem man wahrscheinlich daheim auch den Rasen mähen könnte.

    (Dieses spezielle Zitat ist nur ein weiterer Beweis dafür, wie ernst es BMW mit der Nachhaltigkeit nimmt. Dabei klingt das auf der Website von BMW doch ganz gut. Leider weiß ich nicht, ob ich beim Lesen laut lachen oder bitterlich weinen soll – angesichts solcher Verlogenheit: https://www.bmwgroup.com/de/verantwortung/nachhaltiges-wirtschaften.html)

    Autor: Thomas Geiger
    (Der hatte an selber Stelle bereits den extrem lauten BMW M2 tüchtig abgefeiert)

    Vielen Dank, Herr Geiger! Auch Sie sind herzlich dazu eingeladen, sich an den Kosten unserer jetzt neuerdings notwendigen Lärmsanierung zu beteiligen!

  10. RomanL sagt:

    Ich bin selbst Motorradfahrer und fahre eine Reiseenduro mit einem Zubehörauspuff – beides aus der Ära der 89dB-Zulassung und alles andere als leise im Sinne von dB-Messung. ABER: Ich bin ebenfalls ein absoluter Gegner der so oft bemängelten Brülltüten und hasse genauso die knallenden und knatternden Harley-Verschnitte ohne jeden Schalldämpfer im Rohr.

    Noch in keinem einzigen Fall wurde meine Maschine als zu laut oder gar aufdringlich eingestuft – selbst von Freunden nicht, die motorradlärmgeplagt sind. Im gegenteil, der Sound wird als angenehm warm und „fernwehtauglich“ eingestuft. Woran das liegt? Ganz einfach: der Sound ist tief, sonor und nicht knallend.
    Wie man also sieht, kann man mit etwas Verstand beim Design durchaus wohlklingende, kraftvolle Motorräder bauen UND die Umwelt am Spaß des Motorradfahrens auf angenehme Weise teilnehmen lassen.

    Verständlich, daß ein Anwohner einer minütlich durchrasten Straße an einer beliebten Bikerstrecke das leidvoll anders sieht. Verständlich auch, daß man sich über Umgehungsdesigns wie Klappenauspuffe oder 1-2-3-herausnehmbare dB-Killer aufregt.
    Mit etwa eingeschaltetem Hirn im Kopf (des Fahrers) kann man es anders handhaben…und deshalb nützen Fahrverbote letztlich kaum etwas, solange wir nicht die Fahrer am Ehrgefühl oder halt am Führerschein packen.

    Es gab in der früheren DDR (die ich hier keinesfalls schönreden will!)ein sehr moderates Mittel gegen nicht legales Tuning – den Einzug der Papiere bis zur Wiedervorführung. Wurde die Maschine nicht rechtzeitig vorgeführt, wurde sie von Amts wegen stillgelegt. Und siehe da, die Knatterkarren waren eher selten… Gleiches gilt auch für Maximallautstärken. Kein Schnick und Schnack wie solche dummen und aufwändigen beschleunigungstests. feste Messentfernung + ereichbarer Maximalwert, fertig.

    Vielleicht sollte man mal über eine Petition in Sachen Strafverschärfung bzw. eher -optimierung nachdenken statt über Streckensperrungen und Entschädigungen.? Packt die Jungs da, wo es weh tut – am Bike und der Ehre! Ein eingezogenes Bike ist sowas von uncool ;-)

    Gruß
    Roman

    • Reto sagt:

      Hallo Roman,
      hier schreiben immer wieder Biker mit knapp unter 90 dB (und natürlich leisen Auspuffen) dass sie gutwillig sind. Leider nehmen die Anwohner das ganz anders war.
      Aber das nur nebenbei. Die Durchseuchungsquote mit solchen Auspuffen ist selbst bei Reiseenduros viel zu hoch. Der Rest ist fahrstilabhängig…
      Zum Problem: Das ist 1. die Durchsetzung der aktuellen Regeln 2. die mangelnde Abschreckung der Strafen 3. die Tatsache, dass der technische Forschritt dazu genutzt wird, die Norm zu umgehen und nicht dazu, die Dinger leiser zu machen wie § 45 STVZO es eigentlich vorgibt. Ich persönlich (und einige unserer Mitstreiter) forden Streckensperrungen (an die sich sowieso keiner hält) um ein Zeichen zu setzen, das die Bikergemeinde aufrüttelt. Diese Umweltplaketten kommen dieser Intention recht nahe. Und die Poser- und Renner-Spacken konzentrieren sich ja an den Hotspots – also an schönen Strecken. Warum soll man die Nadeln im Heuhaufen suchen, wenn sich die Nadeln an den Hotspots treffen und dort gut zu finden sind?

      • RomanL sagt:

        Tja Reto, genau solche Kommentare sind das Traurigste an der ganzen Diskussion. Statt Wissen über Schallausbreitung und -bewertung kommen polemische Meinungen daher…
        Wie gesagt, ich kenne „betroffene Anwohner“ – und zwar sehr gut und sehr betroffen. Und genau DESHALB kann ich meine Meinung hier unverändert stehen lassen. 89dB sind nicht gleich 89dB, wenn die Frequenzmischung und das Verstärkungsverhalten der Auspuffe komplett verschieden sind.
        Am meisten helfen würde, wenn der gesetzgeber UND die betroffenen personan sich mal wirklich mit dem Thema Lärm und Lärmbewertung auseinadersetzen würden, sattt einfach nur dumpf drauf los zu poltern und zu verallgemeinern…

        Gruß
        Roman

        PS: Und was die Zahl der Nervtöter angeht…auch dazu gibt es Messungen und Zählungen (beauftragt und sehr akribisch beaufsichtigt von den jeweiligen Anwohnern), interessanterweise weitab von Deiner Einschätzung :-)

        • Reto sagt:

          Hallo,
          genau: 89 dB(A) sind nicht gleich 89dB(A). Es kommt darauf an, ob wir über Fahrgeräusch oder Standgeräusch reden. Bitte beantworte mir doch mit deinem „Wissen über Schallausbreitung und Bewertung“ aus welchem Jahr die Zulassung Deiner Reiseenduro mit Fahrgeräusch 89 dB(A) stammt, die alle Deine „sehr betroffenen“ Nachbarn als wohltuend, seelenmassiernd und fernreisemotivierend empfinden. Wenn ich die Grenzwert-Zulassungshistorie ansehe, dann müsste deine Reiseenduro aus der Zeit vor 1956 stammen. Oder aber Du redest vom Standgeräusch (wie so viele hier)?

  11. Frank sagt:

    Lieber RomanL,

    Sie heben ab auf den Unterschied zur üblichen „Boller“-Harley. Wenn der so groß ist, wie von Ihnen beschreiben, dann will ich nichts gesagt haben.

    Doch gerade die von Ihnen als „tief und sonor“ und damit implizit als wohltuend und unschädlich bezeichneten, tiefen Frequenzanteile assoziiere ich mit der typischen Harley. Diese Maschinen sorgen für viel schlimmere Probleme als die „Kettensägen“. Denn diese tiefen Frequenzen vertreiben uns Anwohner nicht mehr nur aus dem Garten, nein, diese überhöhten Spektralanteile um 100 Hz und darunter überwinden physikalisch gut erklärbar selbst Schallschutzfenster und kriechen zu den betroffenen Anwohnern jetzt sogar ins Wohnzimmer!

    Und wenn man dann den Schalldruck mit dB(A) misst, dann unterschlägt die A-Bewertung diese tiefen Frequenzanteile völlig. Bei Pegeln oberhalb von 80dB ist von der Akustik eigentlich die Messung in dB(C) vorgesehen. Diese C-Bewertung arbeitet mit einem viel schwächeren Filter, das die tiefen Frequenzen nicht mit -30dB (ca. 50Hz) bewertet wie es das A-Filter macht. Ein weltbekannter Tonmeister und angesehner Dozent – Eberhard Sengpiel – pflegte sinngemäß zu sagen: „Der Messwert eines mit der A-Bewertung gemessenen Motorradgeräusches muss unwahr sein.“ und „Lärmerzeuger bevorzugen die A-Kurve.

    Vermutlich ist Ihnen das nicht klar. Sie meinen, Sie tun Ihrer Umwelt etwas gutes und finden einen aus Ihrer Sicht „guten“ Kompromiss. In Wahrheit ist es das Gegenteil.

    Viele andere Aussagen aus Ihrem Post würde ich genau so unterschreiben.

    Aber was heisst für Sie: „…alles andere als leise im Sinne von dB-Messung“?

    • Reto sagt:

      „Aber was heisst für Sie: „…alles andere als leise im Sinne von dB-Messung“?“
      Das heißt:
      wohltuend, seelenmassiernd und fernreisemotivierend
      Aber auf keinen Fall zu laut. Du kannst alle seine Nachbarn fragen ;-)

  12. Frank sagt:

    Da kannst du aber auch jeden Cop fragen :-) Wenn im Schein 89dB stehen und bei der Messung nicht mehr dabeiraus kommt, ist das halt so und zwar legal.

  13. Minikredit sagt:

    Toller Artikel, gefällt mir gut. Ich habe diesen auf FB geteilt und manche Likes dafür bekommen. Weiter so!

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